Leipzig – Dubai und zurück
Vom Pendeln zwischen Orient und Okzident
Mario Winkelmann studiert an der EMS Leipzig im 3. Semester International Business mit Schwerpunkt European Management. Für unseren ersten EMS-Newsletter hat er sich die Zeit genommen, um vom Pendeln zwischen den Kulturen, zwischen Studium und Job zu erzählen. Und von der Notwendigkeit, sich immer neu zu orientieren.
Â
Â
Â
Mario, Du studierst an der EMS berufsbegleitend International Business. War eine Management-Karriere schon immer dein Traum? Nicht wirklich. Ich habe zwei Jahre Geographie an der Uni Leipzig studiert und es immerhin bis zum Vordiplom gebracht. Danach brauchte ich eine Auszeit von der Theorie um die Geographie. Da mein Vater Ende der 80er Jahre als Catering Manager bei Emirates Airlines arbeitete, bot sich 2004 für mich die Möglichkeit eines halbjährigen Praktikums im Bereich Food & Beverage in Dubai. Da mir dort sehr schnell klar geworden ist, dass das Geographiestudium mir keine Perspektiven bietet, habe ich im Anschluss an das Praktikum ein Jobangebot bei Thyssen Krupp Materials Middle East angenommen. In einem für mich komplett neuen Geschäftsfeld: als Warehouse Manager. Das war eine echte Herausforderung.
Was hat dich an Dubai so begeistert? Die Dynamik. An keinem anderen Ort der Welt entstanden in den letzten zehn Jahren so viele weltweit Aufsehen erregende Bauwerke wie in Dubai. Wolkenkratzer, Einkaufszentren, Vergnügungsparks. Der Burj Dubai zum Beispiel wird nach seiner Fertigstellung 2009 mit über 818 m das mit Abstand höchste Bauwerk der Welt werden. Die Stadt ist einfach geprägt von Wachstum und rasantem Wandel. Das ist vor allem der liberalen Wirtschaftspolitik zu verdanken. Es gibt nur wenige Vorschriften oder Auflagen, eine Kontrolle der Finanzen und des Geschäftsverkehrs findet kaum statt. Und natürlich ist Dubai ein Steuerparadies: keine Einkommensteuer, kaum Unternehmenssteuern. Das alles hat mein Interesse an der Wirtschaft geweckt. Natürlich ist der permanente Rush auch oft stressig.
Wo und wie hast du in Dubai gewohnt? Ich habe in einem zentralen Block in einer WG mit zwei Arabern gewohnt. Die waren sehr umgänglich, aber wegen ihrer Religion blieb der Kontakt doch eingeschränkt. Kein Alkohol, kein Schweinefleisch, das Fasten während des Ramadans und ständiges Beten sind uns einfach fremd. Für mein Zimmer mit etwa 20 qm habe ich 650 € bezahlt. Das klingt sehr viel, aber das Lohnniveau in Dubai ist viel höher als in Deutschland. Dazu kommen Firmenwagen und Handy. Das reizt viele Ausländer. Mittlerweile sind ca. 85 % der Einwohner Ausländer und erbringen den größten Teil der Wirtschaftsleistung.
Wann und warum bist Du nach Deutschland zurück gekehrt? Mir war klar, dass ich unbedingt einen Abschluss brauche, sei es mit Ausbildung oder Studium. Das war so ein innerer Druck. Zudem wurden der Lifestyle in Dubai und die permanente Hitze anstrengend. Ich fing an, die europäische Kultur und Tradition zu vermissen und suchte unbewusst Kontakt zu Deutschen. Dann wurde gemeinsam geschwärmt von grünen Wäldern, Regen, Rapsfeldern und Vollkornbrot. Von Museen und Galerien, von Oper und Kino.
Als ich 2007 für zwei Wochen in Leipzig war, erfuhr ich durch einen Freund von der EMS. Das berufsbegleitende Studium zum Bachelor of Arts in International Business entsprach genau meinen Vorstellungen und so entschied ich mich, innerhalb von zwei Wochen nach Leipzig zurückzukehren. Ich fand das Zeitmodell ungemein praktisch, um gleichzeitig zu arbeiten und Praktika in unterschiedlichen Branchen zu machen. Momentan bin ich bei der Messeprojekt GmbH, eines von Deutschlands erfolgreichsten Messebau-Unternehmen. Den größten Teil meiner Studiengebühren hatte ich mir bereits in Dubai zusammen gespart.
Was sind für dich die Vorteile des Studiums an der EMS? Das Studium in International Business verbindet mein Interesse an Wirtschaftsprozessen mit der Neugier auf andere Länder und Kulturen. Dabei wird nicht nur Fachwissen vermittelt, sondern auch kommunikative und interkulturelle Kompetenz trainiert - ein absolutes Muss auf dem globalen Arbeitsmarkt. Genauso wie perfekte Sprachkenntnisse. Darum wird in etwa der Hälfte aller Seminare und Workshops Englisch gesprochen. Weitere Pluspunkte sind natürlich die kleinen Studiengruppen, die individuelle Betreuung durch Dozenten und Hochschulteam sowie die moderne Ausstattung. Das habe ich an der Uni alles anders erlebt.
Bleibt neben Jobs und Studium noch Zeit für Hobbys? Ich entspanne beim Bogenschießen oder bei Proben mit unserer Band „Out of Order“. Die wurde 2007 gegründet, ich mache aber schon lange Musik. Wir spielen progressiven Rock, alles sehr experimentell, und suchen immer nach Gelegenheiten, irgendwo aufzutreten (Kontakt unter www.outoforderband.de).
Was wünschst du dir für die Zukunft? Ich kann mir nach meinem Abschluss durchaus eine Rückkehr nach Dubai vorstellen. Von dort aus darf es mich dann für weitere Jobs in andere Länder verschlagen. Oder ich finde eine Firma in Deutschland, die mit Dubai kooperiert bzw. dort eine Niederlassung betreibt. Branchenmäßig bin ich dabei offen für alles. Auch das ist ein Vorteil des Studiums an der EMS.
Vielen Dank für das interessante Gespräch!
Jana Schuster, M.A. EMS Leipzig
Â
|